Lieber Herr Kummer,
jeder hat eine eigene
Liste im Kopf, mit Veränderungen, denen man zutraut, das Leben
perfekt
zu machen. „Ich will
mal irgendwann auf's Land ziehen“ ist so ein Klassiker. Sollte man
sich
von diesen
Rekorderwartungen verabschieden oder immer hinterher sein?
Vielen Dank für diese,
für den Dezember typische Frage. Zum Jahresende neigen die Menschen
dazu, Rückschau zu halten oder Zukunftspläne zu schmieden.
Aber beginnen wir mit
dem, in den Köpfen einiger Mitbürger fest verankerten,
Weltuntergang 2012. Am 21. Dezember 2012 findet nach dem Maya
Langzeitkalender der Untergang der menschlichen Zivilisation statt.
Das wäre eine wirklich gravierende Veränderung in unser aller
Leben, würde aber eher den Tod perfekt machen.
Oder denken wir an die
Lorenzianer aus Pockau–Lengefeld. Die Mitglieder dieser Sekte
hatten ihre ganz spezielle Zukunftsliste im Kopf, und begannen in den
20er Jahren auf den Flusswiesen der Flöha eine große Arche aus Holz
zu bauen, die dann auf dem Hainberg bei Olbernhau von Auserwählten
bestiegen werden sollte, um diese vor den Weltuntergangsfluten zu
retten und so das Überleben des besten Teils der Menschheit
(ausschließlich Erzgebirger!) zu sichern. Die Lorenzianer warten
geduldig bis zum heutigen Tag auf eine demnächst kommende Sintflut.
So etwas könnte man getrost „Rekorderwartung“ und „immer
dranbleiben“ nennen.
Wer mit Nostradamus`
Geraune, Indianerkalendern und Gebirgssekten wenig am Hut hat, darf
natürlich weiter irdische Pläne verfolgen. Das in den 90er Jahren
berühmt gewordene „Ich will irgendwann aufs Land ziehen“ sollte
allerdings durchaus kritisch hinterfragt werden. Demographischer
Wandel, abbau der Infrastruktur, mangelnde kulturelle Angebote und
drohende Vereinsamung im ländlichen Raum könnten allzu naive
Erwartungen schnell in Alpträume verwandeln. Ratsam ist in jedem
Fall, die Visionen ab und an mit den Realitäten abzugleichen. Wenn
jemand zum Beispiel schon immer auf den Mond fliegen wollte, muss er
dieser Tage einfach zur Kenntniss nehmen, dass die Europäische Mond
Forschungsmission „Lunar Lander“ vor dem Aus steht. Die sparsamen
Deutschen wollen sich von der Finanzierung des Projektes zurück
ziehen. Selbst die große NASA musste ihre Weltraumpläne kräftig
abspecken. Also sollte man vielleicht seinen Kosmonautentraum etwas
modifizieren und jetzt eine Karriere als Lokführer bei der Deutschen
Bahn anstreben.
Menschen, die immer
schon zum Mars fliegen wollten, und die geschätzten Kosten von 20 –
30 Mrd. Dollar momentan nicht aufbringen können, sollten doch
zunächst erst einmal als Busfahrer bei der CVAG anheuern. Diese
Beispiele waren jetzt natürlich an alle Menschen mit Neigung zu
Frustration und Depression gerichtet.
Alle anderen sollen und
dürfen selbstverständlich ihre verrücktesten Träume pflegen und
verfolgen. Alles ist möglich.
Wer hätte gedacht, daß
eine dickliche DDR Physikerin Bundeskanzlerin werden könnte? Das der
untalentierte Til Schweiger in einem Tarantino-Film mitspielen durfte
und nun sogar Tatort-Kommissar wird, oder der Chemnitzer Fußball
Club ein funkelnagelneues Stadion bekommt, oder Guido Westerwelle
sich nicht mehr zur Innenpolitik äußert, sind starke Belege dafür,
dass Unglaubliches wahr werden kann.
Also liebe Leser, auch
im neuen Jahr, immer schön Rekorde anstreben und feste hinterher
sein!